Grenzland Advaita

Edi Mann   Kunst & Schrift


Phase 0 Adler (archaisches Bewusstsein)

Die menschliche Entwicklungsgeschichte beginnt mit dem Erscheinen des grünen Phönix. In der Zeit vor dessen Präsenz ist der Mensch, sofern man überhaupt von einem solchen sprechen kann, einem archaischen Bewusstsein unterworfen. Dieses hat er mit all den anderen Kreaturen auf der Erde gemein.

Zeit und Raum sind noch unbewusste Begriffe, so dass nur das jeweilige Hier und Jetzt von Belang ist. Ebenso wenig stellt sich ein Ich-Gefühl ein, das dem Menschen die Fähigkeit der Differenzierung gibt. Er ist noch absolut eins mit seiner Umwelt. Das Denken des Menschen dieser Zeit hat etwas mit Träumen gemein, zwischen Wunsch und Wirklichkeit kann nicht wirklich unterschieden werden. Ebenso wenig ist ihm ein objektives Beobachten oder Denken möglich. Reiner Autismus herrscht vor.

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Phase 1 Grüner Phönix (magisches Bewusstsein)

Der grüne Phönix bringt das magische Bewusstsein mit sich, welches den Menschen eigentlich erst zu einem solchen macht und ihm den Weg zu seiner Vormachtstellung ebnet. Das Gehirn beginnt mit Bildern, Symbolen und Begriffen zu arbeiten, welche die Wirklichkeit abbilden. Symbole und Begriffe stellen dabei konkrete Sinnesobjekte der Außenwelt vor und repräsentieren sie. Diese inneren Bilder werden allerdings häufig mit der physischen Wirklichkeit verwechselt, die sie doch nur repräsentieren sollen. Es ist ein Zeichen dafür, dass der Geist und der Körper noch relativ undifferenziert sind. 

 Der Mensch entwickelt nun das Gefühl, eine subjektive Macht über die Dinge zu haben, was sich in vielerlei magischen Ritualen und Handlungen auswirkt. Gleichzeitig spricht er den Dingen besondere subjektive Eigenschaften zu, was zu einem ausgeprägten Animismus führt. Die Dinge scheinen Notiz vom Menschen zu nehmen und für ihn gemacht zu sein. Alles Erscheinende ist zum Wohl des Menschen. 

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 Es ist die Zeit der Stammeskulturen, in der auch die Sprache aufkommt. Geist und Körper können nun allmählich differenziert und anschließend transzendiert werden. 

 Das Ich-gefühl ist neben dem körperlichen nun auch ein emotionales, welches aber allenfalls zwischen den eigenen und anderen Gefühlen unterscheiden kann. 


 Phase 2 blauer Phönix (mythisches Bewusstsein) 

 Mit dem Erscheinen des blauen Phönix beginnt die Phase des mythischen Bewusstseins. Die unaufhaltsam steigende Bevölkerungszahl und die zunehmenden Interaktionen zwischen den Individuen erfordern zwangsläufig ein neues Lebenskonzept. Der Übergang zu staatlich organisierten Gesellschaften ist die Folge. Die Zeit der großen Weltreiche ist gekommen. 

 Um die Menschen zusammenzuhalten und ihnen eine gemeinsame Grundlage verschaffend bilden sich die Mythen. 

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 Die persönliche Identität wird zu einer Rollenidentität in der Gesellschaft. 

 Das Ich zeigt sich fortan als Rolle oder „Persona“ 


 Phase 3 gelber Phönix (mentales Bewusstsein) 

 Es ist der gelbe Phönix, der eine neue Ära einleitet, indem er das mentale Bewusstsein der Menschheit überbringt. Der Übergang der beiden Phasen gestaltet sich als schwierig und meist gewalttätig. Der Zusammenprall von Mythos und Vernunft fordert viele Opfer. 

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 Moderne Staaten sind am entstehen, bei denen die Trennung von Kirche und Staat obligatorisch ist. Zunehmend übernimmt der Staat die exekutive Rolle, um die Menschen zu leiten und zu kontrollieren. Die Welt ist eine rational-wissenschaftliche geworden. 

 Beim Menschen findet ein Wechsel von einer soziozentrischen zu einer weltzentrischen Perspektive statt. Die Vernunft bietet einen Raum der Möglichkeiten, in dem die Bindung an die Gegebenheiten aufgehoben wird. Sie ist das große Tor zum Unsichtbaren, zu der Welt der Vorstellung, die nun erschlossen wird. 

 Das Ich tritt nun klar von der Außenwelt und von seinen Rollen darin differenziert hervor. Der Aufbau einer abstrakten Ich-Identität beginnt. 


 Phase 4 roter Phönix (integrales Bewusstsein) 

 Der rote Phönix bringt das integrale Bewusstsein der Einheit, der Ganzwerdung mit sich. 

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