Grenzland-Galerie

Edi Mann   Kunst & Schrift


Die Kritzelei hat viel mit Zufall zu tun. Als ausführender Künstler muss ich mich zurücknehmen und auf das einlassen, was mir zu-fällt. Oft nutzen diese Kritzeleien einen, im wahrsten Sinne des Wortes, un-bedachten Zustand der Absichtslosigkeit, um in Erscheinung zu treten. Der Verstand nennt diese Zeitspannen abfällig Langeweile, doch es sind mit die wichtigsten Momente im kreativen Prozess.








Die Kritzelei hat die Tendenz, ein Eigenleben zu entwickeln. Sie führt weg von einem geplanten Weg und streunt lieber ziellos in der Gegend herum. Kann die Hand mit der Tuschfeder ihrem Nicht-Weg folgen? Wo führt sie mich hin, was ist ihr Begehr? Meist ist sie ungeduldig, hat es eilig und zwingt dem Geschehen ihren eigenen Rhythmus auf. Ein wahrer Anarchist, der keinen Herrn über sich duldet.






Der eingreifende Verstand wird auf später vertröstet, jetzt ist Spontanität angesagt. Nicht-denken ermöglicht freies Fließen. Auch Worte zeigen sich mitunter, schreiben sich selbst aufs Papier, vermischen sich mit den Formen und Klecksen.






Der Schwan, ist er Verführer oder Verführter? Gast oder Gastgeber? Die Kritzelei wird es offenbaren, sie hat die Sinnlichkeit des Augenblicks offenbart. Ein paar Striche genügen, schon ist es erzählt. Wer bin ich selbst, wenn diese Kritzelei geschieht? Wer ist der Zeichner wenn Ich doch abwesend bin?

Manchmal werden die Kritzeleien zu Zeichnungen, die eine Geschichte zu erzählen beginnen. Sie holen sich Verstärkung und es entsteht eine Bilderserie, die, lange genug aufrecht erhalten, sich zu einer Graphik-Novel verdichten kann. Sternstunden des Künstlerdaseins.

-> Graphik-Novel