GRENZLAND ADVAITA

EDI MANN

Presse


Newsage Rezension

"Der Grenzwächter"


"Ein faszinierendes Werk über Nondualität: spannend wie ein Krimi, vielschichtig wie die darin agierenden Figuren und geheimnisvoll wie das rätselhafte Grenzland, in der die Geschichte spielt." (NewsAge)

"Dieses Buch und seine Charaktere sind vielschichtig wie eine Zwiebel.

Der Autor trägt im Verlauf der Erzählung Schicht für Schicht der Zwiebel ab, bis am Ende nur noch der "wahre Mensch", die nonduale Wirklichkeit übrig ist." (NewsAge)


Castanedas Lehren des Don Juan treffen hier auf die Weisheit des Advaita Vedanta, der Lehre von der Nondualität. Der Grenzwächter – ein nondualistischer Roman? Ein philosophischer Science Fiction? Eine (selbst)mörderische, erleuchtende Biographie? Oder der verrückteste Satsang, in den du je geraten bist? Auf jeden Fall ein Werk, das mit spirituellen Suchern kurzen Prozeß macht! »Ein faszinierendes Werk über Nondualität: spannend wie ein Krimi, vielschichtig wie die darin agierenden Figuren und geheimnisvoll wie das rätselhafte Grenzland, in der die Geschichte spielt.« (NewsAge)


Der Grenzwächter
Der Weg zum wahren Wesen der Wirklichkeit


Es war schon immer schwer, den Zustand der Nondualität, den manche „Erleuchtung“ nennen, in Worte zu fassen oder gar den Weg dorthin zu skizzieren. Der Autor Edi Mann hat es nun in Form einer spannenden Erzählung versucht, in der ein namenloser Mörder als Torhüter zu einer nicht näher definierten Transzendenz fungiert und all die Sucher tötet, welche die Prüfung an der „torlosen Schranke“ nicht bestehen. Das Scheitern eines jeden Herausforderers gleicht dem Schälen einer Zwiebel, bei der Schicht um Schicht abgetragen wird, um am Ende zum wahren Wesen des Menschen und der Wirklichkeit vorzustoßen.


Würde man die Menschen öffnen, fände man Landschaften“, sagt die berühmte Filmemacherin Agnés Varda. Die „Mutter der Nouvelle Vague“ nutzt auch in ihren Werken häufig Landschaften als Abbilder der Seele, wie etwa in „Vogelfrei“, wo sie eine junge Frau, die in absoluter Freiheit leben will, als Vagabundin durch eine raue Winterlandschaft wandern und schließlich den Tod finden lässt. Genau wie ihre Protagonistin ist die Regisseurin eine Grenzgängerin auf der Suche nach unserem „wahren Wesen“, nach Authentizität und Transzendenz. „Würde man mich öffnen, so fände man Strände“, so Varda.

Auch Edi Manns Buch „Der Grenzwächter“ zeichnet eine Seelenlandschaft, die am Ende des Landes, an den Grenzen des Bekannten und Vertrauten lokalisiert ist. Ein seelisches Küstengebiet, das „Grenzland“: „Ein Ort am Rande des Seins, wo alles möglich scheint.“ Gleichzeitig das „Land des Hier und Jetzt“ – eine Art Zentrum, „von dem aus Wege und Pfade zu anderen Örtlichkeiten, zu einem sogenannten ‚Dort’ führen“, so der namenlose Erzähler, der sich selbst als „Grenzwächter“ vorstellt. „Ich habe einige von diesen Orten besucht,“ sagt er. „Aber immer, wenn ich dort angekommen bin, war zu bemerken, dass ich im Grunde genommen noch immer hier war. Und wenn ich die Orte in meiner Erinnerung aufsuche, geschieht dies immer jetzt. Dann bin ich jetzt an diesem Ort meiner Erinnerung. Es sieht also so aus, als ob ich dieses Grenzland, das Hier und Jetzt, nie verlasse, nie verlassen habe.“


Es gibt kein größeres Mysterium als dieses: Dass wir, die wir die wahre Wirklichkeit sind, sie erreichen wollen. Wir bilden uns ein, es gäbe etwas, das unsere Wirklichkeit vor uns verbirgt, und dass dies zerstört werden müsse, bevor wir die Wirklichkeit gewinnen können. Es ist geradezu lächerlich. Und es wird ein Tag heraufdämmern, an dem du über deine jetzigen Bemühungen lachen wirst. Aber das, was an jenem Tag deines Lachens da sein wird, das ist jetzt und hier bereits gegenwärtig.

Ramana Maharshi


An diesem Strand, der an Caspar David Friedrichs Gemälde „Der Mönch am Meer“ erinnert, ist der Grenzwächter meist allein, mit einer nur vagen Erinnerung an seine eigene Vergangenheit. „Meine eigene Geschichte,“ erklärt er, „liegt vor mir wie ein dunkler, sich bis in die Unendlichkeit ausdehnender Ozean. Die Oberfläche schimmert wie mit geschmolzenem Silber überzogen, das einen nicht vorhandenen Nachthimmel reflektiert.“ Ab und zu begibt er sich in die „Bucht der Erkenntnis“ oder starrt auf das Licht eines Leuchtturms, der in der Ferne schwach zu erkennen ist.

Und er bekommt hin und wieder Besuch von skurrilen Gestalten wie dem Kontrollfreak, dem Gelehrten, dem Träumer, dem Heiligen, dem Mystiker, dem Revoluzzer, dem Denker und der Künstlerin, dem Spieler, dem Niemand sowie von allerlei namenlosen Suchern, die im Grenzland gestrandet sind. Der Grenzwächter, der in diesem Szenario an den Türhüter in Kafkas Erzählung „Vor dem Gesetz“ erinnert, hat die Aufgabe die Neuankömmlinge zu prüfen und – wenn sie versagen – zu töten. „Ich bin ein Mörder“, gesteht er gleich zu Beginn des Buches. „Hier wurden viele getötet. Manche eigenhändig, andere wurden in den Selbstmord getrieben. Einige der Opfer boten einen langen und erbitterten Widerstandskampf, andere waren schon so gut wie tot, als sie hier ankamen.“

Nein, dies ist kein Krimi, auch wenn die Diskussionen zwischen dem Grenzwächter und seinen Opfern an Spannung kaum zu überbieten sind. Es ist auch kein blutiges Drama, sondern eher eine Art Zauberspiegel, der dem Leser alle möglichen Identifikationsfiguren bietet und gleichzeitig die Chance, sich von der jeweiligen Indentifikation zu lösen. Es geht, wie sollte es anders sein, um den Tod des Egos, um den Tod der Person (lat. persona, „Maske“) und von Persönlichkeitsanteilen, die durch die jeweiligen Figuren repräsentiert werden.

Nur „wahren Menschen“ darf der Grenzwächter Durchgang durch die „torlose Schranke“ gewähren, jedwede Anhaftung und jeder Ballast wird zum unüberwindlichen Hindernis bzw. zur Aufforderung an den Grenzwächter, sein Schwert zu zücken und seines Amtes zu walten. All die oben genannten Sucher und Besucher scheitern an dieser Prüfung, die u.a. in einem Dialog mit dem unerbittlichen Wächter besteht. „Es ist die Suche nach der Wahrheit, die euch alle von der Wahrheit getrennt hält. Es ist die Suche nach der Wirklichkeit, die euch vom Leben abschneidet und trennt“, beschließt der Grenzwächter eine „Sucherkonferenz“, bei der gleich mehrere Personen antreten, die entweder Frieden, Einheit, den Sinn des Lebens oder sich selbst suchen. „Für den Suchenden selbst gibt es hier nichts zu finden außer den Tod. Und den braucht er nicht zu suchen, denn der Tod wird den Suchenden finden.“



Advaita meets Castaneda

Das „Memento mori“, das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und erinnert mal mehr und mal weniger an Carlos Castanedas Technik „den Tod als Ratgeber zu nehmen“. Auch andere Konzepte aus Castanedas Büchern tauchen auf wie z.B. die „Absicht“ als zentrale Kraft im Universum, der „Weg des Kriegers“ oder die „eigene Wichtigkeit“ als zentrales Hindernis auf dem Weg zur Freiheit.

An eben jener Schranke zerbricht im Buch der Gelehrte, der sich selbst und das Wissen, an das er sich sein Leben lang klammerte, stets zu wichtig genommen hatte. „Was für eine Erkenntnis“, jammert er im Angesicht seines sicheren Endes: „Mein ganzes Leben war ein freier Fall! All dies Festhaltenwollen war nur der Versuch, diese Gewissheit zu verdrängen. Alles Wichtignehmen war nicht mehr als ein Festklammern an Illusionen. Was für ein sinnloses Unterfangen! Und was bleibt nun von mir? Dieser Sturz ins Nichts, von dem ich nie getrennt war.“

Hier treffen Castanedas „Lehren des Don Juan“ auf die Weisheit des Advaita Vedanta, die Lehre von der Nondualität, der sich Edi Mann offenbar besonders verbunden fühlt, wie die die Kapitel einführenden Zitate von Ramana Maharshi, Nisargadatta Maharaj, Ramesh Balsekar und anderen Vertretern des Advaita unschwer erkennen lassen. Kein Wunder also, dass uns im Grenzland nicht nur Ideen aus Castanedas Welt erwarten, sondern auch Konzepte vedischer Lehren wie etwa Maya, die Göttin der Illusion, die den Grenzwächter als braungebrannte Schönheit umgarnt, oder der buchstäbliche Zweifel als Ausdruck einer dualistischen Getrenntheit, die überwunden werden will, um zum Wesen der Wirklichkeit und zum „wahren Menschen“ vorzustoßen.

Der Grenzwächter“ skizziert mithin einen Entwicklungsprozess, in dem alles Falsche absterben muss – bis hin zum finalen Showdown, in dem sich ein Lichkrieger und ein Schattenkrieger als Personifikationen von Sein und Nichtsein selbst der Herausforderung an der Schranke stellen und den Grenzwächter Zeuge ihres dialogischen Duells werden lassen:

Dass ich dir erscheine“, sagt das Nichtsein, „wertest du das etwa als Beweis meines Seins? Dieser Trugschluss ergibt sich für dich nur, weil du glaubst, selbst zu sein. Schau dir doch all die Persönlichkeiten an, denen du hier im Grenzland Unterstützung gewährt hast: dem Gelehrten, dem Wissenden, den Kreativen, ja selbst dem Mystiker und all den anderen Typen, die allesamt an der Schranke der Wahrheit gescheitert sind. Der Heilige hat sich als Scheinheiliger entpuppt, der Revoluzzer als Karikatur seiner selbst. Das Tor zur Wirklichkeit konnte keiner durchschreiten. Und so wird es auch dir ergehen, der du glaubst, die Basis all dieser Persönlichkeiten darzustellen.“

Es waren Spieler auf dem Spielfeld des Seins, nicht mehr“, kontert das Sein. „Der ewige Wandel bringt sie hervor und läßt sie auch wieder verschwinden. Es waren Kämpfer auf dem Schlachtfeld der Erscheinungen, Ausdrücke des Seins. Aber wenn wir schon bei den hervorgebrachten Persönlichkeiten sind: Was ist denn mit dem Träumer geschehen? Ganz zu schweigen von dieser Null, die sich als Niemand bezeichnete?“

Am Ende scheitern auch diese mächtigen Gestalten an der Schranke zur Transzendenz und der Grenzwächter erkennt: „Grenzenloses Sein oder grenzenloses Nichtsein? Entscheidend ist doch nur das Sehen der Grenzenlosigkeit. Was ich wahrnehme, das bin ich selbst. Dies alles bin ich selbst, und doch ist niemand da, der ist. Übrig bleibt das Geschehen, doch es geschieht ohne mich, denn ich bin nicht.“

Allein und leer zurückgeblieben, sieht der Wächter in der Ferne das Licht des Leuchturms wieder und macht sich auf den Weg, das Grenzland endgültig zu verlassen. Er selbst hat die Prüfung an der Schranke bestanden, sich als „wahrer Mensch“ erwiesen und ein Bewusstsein erlangt, das nicht länger von der Illusion dualer Kräfte beherrscht wird.

Text: Norbert Classen


Buchtipp:

Edi Mann

Der Grenzwächter

Durchbrechen der torlosen Schranke

240 Seiten, € 14.95

ISBN 978-3-930243-65-5

Omega Verlag


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